Wo Ist er denn, der rote Faden?
Eine kleine Suche nach dem roten Faden zwischen Zeichnungen, Installationen, KI Experimenten, Schundheften , Nostalgie und anderen Umwegen
Petja Siebenstein
6/23/20261 min read


Wo ist eigentlich mein roter Faden?
Diese Frage habe ich mir erstaunlich oft gestellt.
Ich kenne viele Künstler:innen, bei denen man sofort erkennt, wer die Arbeit gemacht hat. Eine bestimmte Formensprache, bestimmte Materialien, wiederkehrende Motive oder Verfahren. Ein hoher Wiedererkennungswert. Das fand ich immer beeindruckend.
Bei mir fühlte sich das schon immer anders an.
Ich hatte eher das Gefühl, ständig neue Abbiegungen zu nehmen. Schundhefte. Heiligenbilder. Dorflegenden. Keramik. Installationen. Digitale Bildstörungen. Schnelle Zeichnungen. KI-Transformationen. Druckverfahren. Fundstücke. Volkskunst. Teppiche. Irgendwie schien alles immer wieder in eine andere Richtung zu laufen.
Vielleicht auch deshalb hatte ich die Angewohnheit, für alles einen neuen Projektnamen erfinden zu wollen. Für jedes Interesse eine neue Schublade. Eine neue Insel. Eine neue kleine Welt.
Heute neige ich immer noch dazu.
Aber inzwischen frage ich mich, ob das wirklich stimmt.
In den letzten Monaten habe ich angefangen, meine Arbeiten zu dokumentieren. Dabei ist mir etwas aufgefallen: Obwohl die Arbeiten auf den ersten Blick sehr unterschiedlich aussehen, tauchen bestimmte Interessen immer wieder auf.
Mich faszinieren Bilder und Objekte, die wirken, als hätten sie bereits eine Geschichte hinter sich. Artefakte, Relikte, Erinnerungen, Dorfmythen, Schundhefte, religiöse Bilder, Propaganda, Volkskunst.
Gleichzeitig interessieren mich digitale Ruinen. Bildfehler, Glitches, Transformationen, Datenreste und die Frage, was passiert, wenn ein Bild immer wieder durch verschiedene Medien und Verfahren geschickt wird.
Dazu kommen einfache, manchmal fast kindliche oder cartoonhafte Figuren, die mich oft länger begleiten als geplant und plötzlich in ganz anderen Arbeiten wieder auftauchen.
Lange habe ich diese Dinge als getrennte Interessen betrachtet.
Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Vielleicht besteht mein Wiedererkennungswert gar nicht darin, immer dieselbe Bildsprache zu benutzen.
Vielleicht liegt er eher in den Umwegen.
Vielleicht ist mein roter Faden nicht gerade, sondern mehrfach verknotet, verheddert, zerschnitten und wieder zusammengeknotet worden. Vielleicht bleibt er irgendwo hängen, verschwindet aus dem Blickfeld und taucht später an völlig unerwarteter Stelle wieder auf.
Und vielleicht ist das gar kein Fehler.
Vielleicht sieht mein roter Faden einfach so aus.
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