Methodik:
Digitalisierung, KI Generierung und Material
Werkzeug und Material
Künstliche Intelligenz ist für mich weder ein Ersatz für künstlerische Arbeit noch ihr Gegenpol. Sie ist ein zeitgenössisches Werkzeug und zugleich ein Material, nicht grundsätzlich anders als ein Stift, eine Kamera oder ein Stück Kunststoff.
Werkzeuge und Materialien sind zunächst neutral. Sie tragen keine Bedeutung in sich. Ihre Wirkung entsteht erst durch die Art, wie sie verwendet werden.
Ein Kabelbinder ist ein industrielles Produkt. Er dient dazu, etwas zu fixieren oder zusammenzuhalten. In einem anderen Zusammenhang kann derselbe Kabelbinder seine ursprüngliche Funktion verlieren und Teil einer neuen Struktur werden. Er bleibt physisch unverändert, und doch verschiebt sich seine Bedeutung vollständig.
Ich arbeite seit langem mit solchen alltäglichen Materialien. Kunststoff, Spielzeug, transparente Folien oder einfache Haushaltsstoffe tauchen in meinen Arbeiten ebenso auf wie Holz, Keramik oder fotografische Oberflächen. Mich interessiert dabei nicht der materielle Wert, sondern die Möglichkeit der Transformation. Materialien sind für mich keine abgeschlossenen Einheiten, sondern Ausgangspunkte.
In diesem Sinne verstehe ich auch digitale Bildzustände und KI-Generierungen als Material.
Ein KI-generiertes Bild ist zunächst ein Rohzustand. Seine Bedeutung entsteht nicht durch seine technische Entstehung, sondern durch den Umgang mit ihm: durch Auswahl, Weiterbearbeitung, Übersetzung und Einbettung in einen größeren Zusammenhang.
Der eigentliche künstlerische Prozess liegt in dieser Bewegung.
Transformation
Viele meiner Arbeiten beginnen analog oder basieren auf fotografischen, collagierten oder generierten Bildzuständen. Diese dienen als Ausgangspunkt für weitere Transformationen. Häufig zeichne ich zum Beispiel schnell und direkt auf Papier, oft ohne Korrektur, oder arbeite mit fotografischen und collagierten Bildzuständen als Ausgangspunkt.
Anschließend überführe ich diese Bildzustände in eine KI-Generierung. Dabei entsteht eine neue Version, die auf meinem Ausgangsmaterial basiert, sie aber nicht identisch reproduziert. Besonders bei Zeichnungen werden Linien geglättet, vereinfacht oder neu gewichtet. Die KI erkennt visuelle Muster, interpretiert sie und erzeugt daraus eine eigene Form der Klarheit.
Diese Differenz interessiert mich.
Die generierte Version ist weder eine reine Kopie noch ein vollständig unabhängiges Bild. Sie steht in einem Zwischenzustand. Sie trägt meine ursprüngliche Geste in sich und gleichzeitig eine Form von Distanz.
Einige dieser Zustände bearbeite ich anschließend weiter digital, etwa durch Übermalung, Reduktion oder Verschiebung einzelner Elemente. Andere überführe ich direkt zurück in physische Materialien.
Übersetzung zwischen Zuständen
Ich arbeite mit diesen Zuständen weiter, übertrage sie in analoge Materialien, fotografiere sie, verändere sie erneut oder nutze sie als Grundlage für weitere KI-Generierungen. Dieser Prozess kann sich mehrfach wiederholen.
Die Arbeit entsteht in diesem Hin- und Her.
Nicht als einzelner Schritt, sondern als Abfolge von Übersetzungen.
Analog wird zur Grundlage einer KI-Generierung.
KI-Generierung wird zur Grundlage digitaler Weiterbearbeitung.
Digitale Zustände werden wieder physisch.
Ein Zustand wird zur Grundlage für den nächsten.
Dadurch verliert die Frage nach einem eindeutigen Ursprung an Bedeutung. Ein Bild lässt sich nicht mehr vollständig auf einen einzelnen Moment oder ein einzelnes Medium zurückführen. Es entsteht aus einer Kette von Entscheidungen, Transformationen und Rückkopplungen zwischen Hand, Material und KI.
Ich verstehe diese Arbeitsweise als eine Form der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Zuständen von Material und Wahrnehmung.
Reproduzierbarkeit
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reproduzierbarkeit.
Ein Motiv existiert in meiner Arbeit nicht nur einmal. Es kann in unterschiedlichen Formen erneut erscheinen: als Zeichnung, als KI-basierte Illustration, als digital weiterbearbeitetes Bild, als keramisches Objekt, als Fotografie oder als gebrannte Spur in Holz. Diese Erscheinungsformen sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.
Das Motiv bleibt erkennbar, während sich seine materielle Realität verändert.
Eine digitale Linie ist immateriell und präzise.
Eine gebrannte Linie ist unwiderruflich und mit dem Material verbunden.
Eine keramische Linie wird körperlich und räumlich.
Es entstehen keine Kopien im Sinne von Wiederholungen, sondern Zustände eines Motivs, die sich voneinander unterscheiden.
Reproduktion bedeutet hier nicht Vervielfältigung, sondern Fortsetzung.
Motiv als System
Ein Motiv ist kein Endpunkt, sondern ein System, das unterschiedliche materielle Zustände annehmen kann.
Offene Ursprünge
Digitalisierung und KI-Generierung erweitern die Möglichkeiten, Bilder zu entwickeln, zu verändern und erneut zu materialisieren. Werkzeuge, die früher spezialisierten Produktionsumgebungen vorbehalten waren, stehen heute einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung.
Diese Entwicklung interessiert mich nicht als technisches Phänomen, sondern als Erweiterung des künstlerischen Raums.
Ich nutze KI-Generierung und digitale Bearbeitung nicht, um künstlerische Entscheidungen abzugeben, sondern um neue Zustände zu erzeugen, auf die ich wiederum reagieren kann. Die Arbeit entsteht nicht in der perfekten Ausführung, sondern im Übergang zwischen Zuständen.
Am Ende bleibt ein Bild, ein Objekt oder eine Spur, deren Entstehung sich nicht vollständig auflösen lässt.
Nicht, weil sie verborgen wäre, sondern weil sie aus Bewegung entstanden ist.
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