ARBEITSWEISE

^ Petja Siebenstein, Künstlerin in Stuttgart. Arbeiten zwischen Alltagsmaterial, Bildkultur und digitaler Transformation.

Ich bin Petja Siebenstein.

Ich arbeite zwischen digitaler Konstruktion und körperlicher Erfahrung. Mich interessieren Spannungsfelder zwischen Banalität und Weltkulturerbe, zwischen Intuition und System, zwischen Zerstörung und Neuentstehung.

Meine Arbeiten entstehen aus Zeichnungen, fotografischen Fragmenten, Fundstücken oder digitalen Transformationen und entwickeln sich in einem Prozess des Verschiebens, Überlagerns und Umdeutens weiter.

Ich arbeite medienübergreifend und materialoffen. Alltägliche Dinge wie Zeitschriften, Modebilder, Fundstücke, Naturmaterialien oder scheinbar belanglose Details im Stadtraum können Ausgangspunkt einer Arbeit sein.

Ein getrockneter Schmutzrand nach einem Regen, eine Pflanzenstruktur, ein Schatten oder ein Stück Müll können durch einen veränderten Blick und einen bewussten Ausschnitt zu eigenständigen Bildräumen werden.

Mich interessiert, was passiert, wenn sich der Blick vom Ganzen löst und in ein Detail hineingeht.

In dieser Verschiebung öffnet sich oft ein eigener Kosmos, der sich vom ursprünglichen Zusammenhang löst, ohne ihn ganz zu verlieren. Auch wenn ich solche Motive überzeichne, remixe oder digital transformiere, bleiben Spuren ihrer Herkunft erhalten.

Inspiration finde ich unter anderem in High Fashion Editorials, als auch in alltäglicher Bildkultur wie in Werbung, Katalogen, Comics, oder Trash Heftchen jeglicher Art, also Bildmaterial, das normalerweise nach kurzem Gebrauch im Altpapier landet. Diese Bildwelten stehen für mich nicht im Gegensatz. In der weiteren Bearbeitung verschieben und überlagern sie sich, hinterlassen jedoch kleine Informationen, die weiterwirken.

Auch in der Wahl meiner Materialien arbeite ich bewusst mit Gegensätzen. Ich verwende klassische Kunstmaterialien ebenso wie Alltagsmaterialien, Verpackungen, Fundstücke oder industriell hergestellte Dinge aus Haushalt, Spielwarenabteilung und Baumarkt. Was normalerweise funktional oder wegwerfbar ist, wird Teil eines neuen Zusammenhangs. Dazu kommen Naturmaterialien, Straßenfunde oder Überreste von Bau- und Gebrauchsmaterialien. Mich interessiert, wie sich industrielle Oberflächen, günstige Materialien und organische Strukturen gegenseitig beeinflussen und in einem neuen Bildraum aufladen.

Digitale und analoge Prozesse stehen für mich nicht im Gegensatz. Ich remixe, überzeichne, transformiere, zerstöre und setze neu zusammen. Manche Arbeiten sind düster oder dystopisch, andere bunt, verspielt oder bewusst trashig. Diese Gegensätze sind kein Stilbruch, sondern Ausdruck von Entwicklung; ein Interesse an Übergängen, an Coming-of-Age-Momenten, an Zuständen zwischen Kindheit und Konstruktion.

Mich fasziniert, wie Bilder und Körper sich verwandeln können; wie Mode z.B. eine Person zu einer wandelnden Skulptur machen oder wie ein digitales Motiv als ein physisches Objekt weiter existieren kann. Zerstörung ist dabei kein Ende, sondern Teil des Prozesses.

Etwas muss brechen, damit etwas anderes entstehen kann.

Petja Siebenstein bei der Arbeit zwischen Ästen im Wald.
Petja Siebenstein bei der Arbeit zwischen Ästen im Wald.