Wild, 2026

Petja Siebenstein

7/19/20261 min read

Ausgangspunkt der Arbeit ist erneut eine wiederkehrende Figur, die in unterschiedlichen Arbeiten als Trägerin von Transformationen, Projektionen und Materialexperimenten erscheint. Mich interessiert dabei weniger die Figur selbst als die Frage, wie sich ihre Wirkung durch Material, Kontext und Bearbeitung verändert. Obwohl das Motiv wiedererkennbar bleibt, entstehen aus jeder neuen Umsetzung andere Stimmungen und Bedeutungen.

Für diese Arbeit wurde die Zeichnung direkt auf einen textilen Bildträger übertragen. Die Linien bestehen aus schwarzem Effektgarn mit langen, faserigen Ausläufern, das mit Liquitex auf dem Untergrund fixiert wurde. Die Zeichnung erscheint dadurch zugleich grafisch und organisch. Die Fasern erinnern an Wurzeln, Pilzgeflechte, Haare oder feine Verästelungen und verleihen der Figur eine eigentümliche Lebendigkeit.

Anstelle von Glas wurde ein Vogelnetz vor die Arbeit gespannt. Es erzeugt eine zusätzliche Ebene zwischen Bild und Betrachtenden und erinnert zugleich an Schutz, Begrenzung, Käfig, Fenster oder Falle. Gerahmt ist die Arbeit in einem alten Schellackrahmen, wobei bewusst die rohe Rückseite des Rahmens verwendet wurde. Die sichtbaren Gebrauchsspuren und die grobe Konstruktion stehen im Kontrast zur dekorativen Funktion eines klassischen Bilderrahmens und verstärken den Eindruck eines Fundstücks oder Relikts.

Die Figur blickt den Betrachtenden unmittelbar an. Die Augen sitzen dicht am oberen Bildrand, als würde die Darstellung nur einen Ausschnitt eines größeren Ganzen zeigen. Der Blick wirkt zugleich trotzig, verletzlich und selbstbewusst. Zwischen Melancholie und Behauptung entsteht eine Spannung, die sich einer eindeutigen Lesart entzieht.

Wie in vielen meiner Arbeiten treffen auch hier groteske, komische und körperliche Elemente aufeinander. Die überzeichnete Körperlichkeit, die übergroßen Brüste und kleine beinahe alberne Details stehen neben Momenten von Verletzlichkeit und Ernsthaftigkeit. Das Bild bewegt sich zwischen Humor und Melancholie, zwischen Überzeichnung und Behauptung, zwischen Schutz und Ausgesetztsein.

Die Arbeit versteht sich als Versuch, diese Gegensätze nicht aufzulösen, sondern gleichzeitig bestehen zu lassen. Die Figur erscheint dabei weniger als Person denn als Projektionsfläche für unterschiedliche Zustände, Erinnerungen und Zuschreibungen. Sie bleibt wild, widersprüchlich und letztlich nicht vollständig greifbar.

Impressum, Angaben gemäß § 5 TMG:

Petja Siebenstein , auch bekannt als Petra Hummel, Neue Weinsteige 25b, 70180 Stuttgart - Deutschland -

E- Mail:: studio@petjasiebenstein.com

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:: Petja Siebenstein (Petra Hummel), Adresse wie oben