Stillgelegt, 2025

Petja Siebenstein

7/14/20262 min read

Stillgelegt

Ein Ast steht aufrecht. Daran befestigt: ein Stereoskop.

Wer hindurchblickt, sieht eine Bank. Eine ganz gewöhnliche Stadtbank – jedenfalls auf den ersten Blick. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Sie ist nicht für alle gemacht.

Diese Bank erlaubt es zu sitzen. Aber sie verhindert es, sich auszustrecken, sich hinzulegen, zu ruhen. Für Menschen mit Wohnung mag das keine Rolle spielen.

Für Menschen ohne Zuhause bedeutet es: kein Ort zum Ausruhen, kein Ort zum Schlafen, kein Ort zum Sein.

Diese Art der Stadtgestaltung nennt sich Hostile Architecture – defensive Architektur. Sie ist nicht neutral. Sie ist nicht unbedacht. Sie ist Ausdruck eines Systems, das bestimmte Körper duldet und andere ausschließt. Nicht laut, sondern effizient. Nicht offen feindlich, sondern systematisch menschenfeindlich.

Was wie Ordnung aussieht, ist in Wahrheit Verdrängung.

Es geht nicht darum, Obdachlosigkeit zu lösen oder Lebenslagen zu verbessern.

Es geht darum, sie unsichtbar zu machen. Damit diejenigen, die nicht betroffen sind, sich beim Shopping, beim Ausgehen oder auf dem Weg zur Arbeit oder nachhause nicht gestört fühlen. Damit das Elend nicht auffällt. Damit es niemanden konfrontiert.

Die Installation erinnert mit einfachen Mitteln – einem Stück Plane, einem Embryo, überzogen mit Moos und Erde – an das, was uns im Ursprung verbindet: Wir sind ein kleiner Teil dieser Welt und sind Naturwesen. Wir kehren irgendwann wieder in die Erde zurück. Auf dieser Ebene sind wir gleich.

Doch politisch sind wir es nicht. Die gesellschaftliche Realität trennt. Und diese Trennung wird nicht zufällig übersehen – sie wird gestaltet. Sichtbarkeit wird aktiv verhindert. Und das Stilllegen betrifft nicht nur Körper, sondern auch Biografien, Hoffnungen, Existenzen.

Die Arbeit entstand aus der Perspektive einer Person, die selbst nicht von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen ist, jedoch in einer deutschen Innenstadt lebt – mitten in einem Alltag, in dem Hostile Architecture längst zum Stadtbild gehört. Dieser Blick auf die Stadt ist kein neutraler, sondern ein selbstkritischer: Die Gewöhnung an das Sichtbare, das Ausgrenzende, das Systematische ist real. Diese Installation ist ein persönlicher Versuch, diesen Normalzustand zu irritieren, im Bewusstsein, dass dies nur aus meiner Außenperspektive geschieht.

Impressum, Angaben gemäß § 5 TMG:

Petja Siebenstein , auch bekannt als Petra Hummel, Neue Weinsteige 25b, 70180 Stuttgart - Deutschland -

E- Mail:: studio@petjasiebenstein.com

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:: Petja Siebenstein (Petra Hummel), Adresse wie oben