1986

Petja Siebenstein

7/19/20262 min read

Die Arbeit entstand aus der Auseinandersetzung mit Tschernobyl und meinen persönlichen Erinnerungen an meine Generation, für die die Reaktorkatastrophe Teil ihrer Kindheit wurde.

Im Zentrum liegt ein Stück Fleisch auf einem Teller. Es trägt den Negativabdruck eines menschlichen Gesichts und erinnert dadurch zugleich an eine Totenmaske. Das Fleisch wird zu Körper und Nahrung, zu etwas Vergangenem und zugleich Alltäglichem. Als Lebensmittel verweist es auf eine Bedrohung, die unsichtbar bleibt: kontaminierte Nahrung, deren Gefahr sich dem Auge entzieht.

Der kleine Plüschpilz steht für Kindheit, Unschuld und Vertrautheit. Gleichzeitig erinnert seine Form an einen Atompilz. In dieser Überlagerung treffen Bedrohung und Verharmlosung, Angst und Niedlichkeit aufeinander.

Die Arbeit bedient sich bewusst einer einfachen, beinahe folkloristischen Bildsprache. Die gestickte Tischdecke, das Gedeck und der Plüschpilz erinnern an familiäre Rituale, häusliche Vertrautheit und die Welt eines Kindes. Mich interessiert der Kontrast zwischen dieser scheinbar harmlosen Oberfläche und dem Wissen um eine Katastrophe, deren Folgen zunächst unsichtbar bleiben. Das Unheimliche erscheint nicht als spektakuläres Ereignis, sondern als etwas, das bereits am Tisch Platz genommen hat.

Als Kind erschien mir die Möglichkeit eines Atomkriegs oder einer atomaren Katastrophe keineswegs abstrakt. Ich war geprägt von dem Gedanken, vielleicht selbst nicht besonders alt zu werden. Ebenso bewegt mich heute, wie lange es nach der Katastrophe dauerte, bis die Bevölkerung informiert und die Menschen im Umfeld des Reaktors evakuiert wurden. Die eigentliche Bedrohung war unsichtbar und wurde erst wahrgenommen, als sie längst vorhanden war.

Heute ist Tschernobyl zugleich ein Ort der Zerstörung und der Rückeroberung. Wo Menschen weitgehend verschwunden sind, breitet sich die Natur wieder aus. Das Fleisch verweist deshalb nicht nur auf Tod und Verlust, sondern auch auf Vergänglichkeit und Kreisläufe des Vergehens und Werdens.

1986 bewegt sich zwischen persönlicher Erinnerung und kollektiver Geschichte, zwischen menschlicher Verletzlichkeit, verdrängter Gefahr und einer Natur, die sich Räume zurückholt, sobald der Mensch nicht mehr ihr ständiger Gegner ist.

Making of „1986“, Masken Abdruck als Form für das später fleischartige Objekt

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Petja Siebenstein , auch bekannt als Petra Hummel, Neue Weinsteige 25b, 70180 Stuttgart - Deutschland -

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